Hallo ihr Lieben! Hier ist Maria-Maus, eure kleine Maus mit den großen Ohren. Kuschelt euch schön ein, ich erzähle euch heute Nacht von einer Insel, auf der ein Berg Feuer spie und riesige Tiere wohnten.
Alles begann mit einem Brief. Hendrik, der Abenteuermaus, hatte ihn an einem Blatt befestigt und in den Garten geworfen. Darauf stand nur ein Satz: „Wer Pips besuchen will, soll heute Mittag am Teich sein." Ich war so aufgeregt, dass ich beim Frühstück zweimal meinen Löffel fallen ließ.
Am Teich wartete schon jemand Neues. Er hieß Emilian, war eine große, ruhige Maus mit einem gestreiften Schal und kannte Hendrik aus alten Zeiten. „Pips ist zurück zu seiner Insel geflogen", erklärte Emilian. „Er hat uns eingeladen, ihn dort zu besuchen. Ich kenne einen Weg." Er zeigte auf ein kleines Boot aus Kork, das am Ufer schaukelte.
Wir stiegen ein, Emilian, Hendrik und ich. Das Boot schaukelte sanft, während Emilian mit einem Zweig ruderte. Der Teich wurde breiter und breiter, bis er aussah wie ein ganzes Meer. Nach einer Weile sahen wir am Horizont etwas Großes: eine Insel mit einem spitzen Berg in der Mitte.
„Das ist sie", sagte Emilian leise. „Die Dinosaurier-Insel."
Als wir näherkamen, sah ich den Berg genauer. Oben hatte er eine runde Öffnung, aus der ein schmaler, oranger Streifen floss, langsam wie Honig. „Das ist Lava", erklärte Emilian. „Heißes, flüssiges Gestein. Es sieht gefährlich aus, bleibt aber meistens brav in seiner Bahn." Ich schaute mit großen Augen zu, wie der Streifen leuchtete, obwohl es noch heller Tag war.
Rund um den Berg standen Bäume, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Sie waren so hoch wie zehn Apfelbäume übereinander, mit dicken, runden Blättern, die wie Teller aussahen. „Dinobäume", sagte Hendrik stolz, als wäre er ihr Erfinder. „Davon essen die Dinosaurier. Jeder Baum hat genug Blätter für eine ganze Woche."
Wir legten das Boot an einem sandigen Streifen an und gingen vorsichtig weiter. Zwischen den Dinobäumen hörte ich ein Rumpeln, das durch den Boden kroch, noch bevor ich etwas sah. Dann kam er: ein Dinosaurier mit einem langen Hals, der mühelos bis in die oberen Zweige reichte. Er pflückte ein Blatt, so groß wie ein Schirm, und kaute gemütlich.
„Das ist ein Langhals", flüsterte Emilian. „Ganz friedlich. Er mag nur Blätter, keine Mäuse."
Wir schlichen weiter und fanden eine kleine Lichtung. Dort saß Pips, unser kleiner Dino-Freund aus dem Garten, inzwischen ein ganzes Stück größer. Als er uns sah, machte er einen Freudensprung und piepste so laut, dass zwei Vögel aufflatterten. „Ihr seid gekommen!", rief er. „Ich wollte euch unbedingt meine Insel zeigen."
Pips führte uns herum wie ein kleiner Bürgermeister. Wir sahen einen Dinosaurier mit einem Panzer voller Stacheln, der gemütlich am Boden nach Wurzeln schnüffelte. Wir sahen eine Gruppe kleiner, flinker Dinosaurier, die wie Hühner über eine Wiese flitzten und miteinander spielten. Am Fuß des Berges entdeckten wir sogar einen Dinosaurier mit Flügeln, der kurze Strecken durch die Luft glitt wie ein großer, schwerer Schmetterling.
„Habt ihr keine Angst vor dem Berg?", fragte ich. Pips schüttelte den Kopf. „Er grummelt manchmal, aber er ist wie ein alter Freund, der schnarcht. Wir wissen, wann wir Abstand halten müssen." Zum Beweis grummelte der Berg genau in diesem Moment ein bisschen, und ein kleiner Rauchring stieg auf. Niemand lief weg. Alle Dinosaurier schauten kurz hin und fraßen dann einfach weiter.
Wir setzten uns zwischen zwei Dinobaum-Wurzeln und picknickten mit Nüssen, die Emilian mitgebracht hatte. Pips erzählte, wie er auf der Insel neue Freunde gefunden hatte, und wie die großen Dinosaurier ihn manchmal auf dem Rücken trugen, wenn seine Beine müde wurden. Hendrik erzählte von seiner ersten Reise hierher, als er noch dachte, die Lava sei ein Fluss aus Honig.
Als die Sonne tiefer wanderte, wurde der orange Streifen am Berg noch leuchtender, und ein warmer Wind trug den Duft von frischen Blättern zu uns herüber. „Kommt ihr wieder?", fragte Pips, und seine Stimme klang ein kleines bisschen traurig. „Ganz bestimmt", versprach ich. „Wir bringen nächstes Mal Elisa mit, sie würde den Langhals lieben."
Wir winkten allen Dinosauriern zu, auch dem Langhals, der sein Blatt kurz sinken ließ, als würde er zurückwinken. Dann stiegen wir ins Korkboot und Emilian ruderte uns zurück über das große Wasser. Der Berg mit seinem kleinen Feuerstreifen wurde hinter uns immer kleiner, bis er aussah wie ein winziger Hut am Horizont.
Am Teichufer sprangen wir aus dem Boot. Emilian band es fest an einem Schilfhalm. „Danke, dass du uns den Weg gezeigt hast", sagte ich zu ihm. Er lächelte unter seinem gestreiften Schal. „Jederzeit wieder, kleine Maria-Maus."
Auf dem Heimweg unter dem Abendhimmel erzählte ich Hendrik, wie friedlich die großen Tiere gewesen waren, obwohl sie so riesig aussahen. Er nickte. „Das Größte ist nicht immer das Gefährlichste. Manchmal ist es einfach nur groß." Darüber musste ich lange nachdenken, bis wir unter dem alten Apfelbaum ankamen.
Elisa schlief schon, als ich mich neben sie kuschelte. Ich erzählte ihr leise ins Ohr von der Insel, vom Berg und von Pips, auch wenn sie es erst morgen richtig hören würde. Draußen zog eine kleine Wolke vorbei, fast wie ein Rauchring, und ich musste lächeln.
Schlaf gut, ihr Lieben. Wenn ihr heute Nacht von großen Tieren und fernen Inseln träumt, dann denkt daran: Auch das Größte kann ganz friedlich sein. Gute Nacht von eurer Maria-Maus.