Hallo ihr Lieben! Hier ist Maria-Maus, eure kleine Maus mit den großen Ohren. Kuschelt euch schön ein, ich erzähle euch heute Nacht von einem Tag im Wasser.
Der Sommer hat sich heute noch einmal gedacht, er ist einfach noch nicht fertig gewesen. Die Sonne hat gewärmt wie am ersten Tag der Ferien, und die Luft hat nach dem letzten warmen Tag des Jahres gerochen. Da hat Papa Alexander gesagt: „Heute gehen wir ins Schwimmbad.“ Elisa hat den Kopf schief gelegt. „Was ist ein Schwimmbad?“ Ich habe ihr erzählt: Für uns Mäuse ist ein Schwimmbad nichts anderes als eine große Pfütze. Eine ganz, ganz große Pfütze mit warmem Wasser und hohen Decken, in der man planschen kann, ohne dass Mama schimpft.
Im Schwimmbad angekommen waren wir erst einmal beeindruckt. Die Decke war so hoch, dass unser leises Mäuselachen zweimal zurückgekommen ist. Das Wasser hat gegluckert in mehreren Becken, und es hat gerochen nach Wasser, nach Sommer und ein kleines bisschen nach Seife. Elisa hat sich an Papas Rücken festgeklammert und alles mit großen Augen angesehen. „Das ist also die große Pfütze“, hat sie geflüstert. „Die ist ja riesig.“
Am Kinderbecken saß ein Mäuschen mit einer pinken Badekappe und einer pinken Schwimmbrille. Selbst sein Handtuch war pink, und die Badeschlappen dazu auch. Es winkte uns fröhlich zu. „Ich bin Eva“, hat es gerufen. „Ich schwimme schon ganz allein. Das ist mein Opa Rainer.“ Auf der Bank am Beckenrand saß ein altes Mäuseherrchen mit grauem Fell und einem gemütlichen Bauch, die Füße bereits im Wasser. Er hat gelächelt und mit der Pfote gewunken, ganz ruhig und warm.
Eva schwamm wie ein kleiner Fisch. Erst ein paar Runden Kraulen, dann ein sauberer Tauchgang durch den eigenen Ring aus pinken Luftblasen, den sie vorher geblasen hatte. Opa Rainer hat ihr dabei gar nicht hinterhergerufen, er hat nur kurz geprüft mit den Augen und dann zufrieden genickt. „Sie kann es“, hat er uns gesagt. „Man muss nur loslassen können beim Schwimmen. Das habe ich ihr beigebracht, und das lernt man nie wieder weg.“
Elisa war anfangs vorsichtig. Sie hat zuerst nur die Pfoten ins Wasser gehalten und gewartet. „Ist das kalt?“ — „Nein“, hat Eva gelacht, „im Kinderbecken ist das Wasser warm wie Suppe.“ Also hinein mit ihr, und nach einer Weile hat sie schon halbe Runden geplanscht und Wasserfontänen gemacht, so hoch, wie es eine kleine Maus eben kann. Mama Michalina hat neben ihr im flachen Wasser gesessen und sich die Wassertropfen ins Fell spritzen lassen, das mochte sie sichtlich gern.
Dann hat Eva ihr Bestes gezeigt: das Schweben. Sie hat sich auf den Rücken gelegt, die Ärmchen und Beinchen ganz still gemacht und ist einfach liegen geblieben, mitten im Wasser, wie ein Blatt auf einem Teich. „Willst du das auch lernen?“, hat sie Elisa gefragt. „Das Wasser trägt dich, wenn du dich fallen lässt. Du musst nur ruhig bleiben.“
Beim ersten Versuch ist Elisa gekippt und hat Wasser in die Ohren bekommen. Sie hat gekichert und es wieder probiert. Beim zweiten Versuch hat Eva eine Pfote unter ihren Rücken gehalten, ganz sacht. Und dann ist es passiert: Elisa ist geschwebt. Eins, zwei, drei — sie hat den Blick nach oben gerichtet zur hohen Decke und ist einfach gelegen, getragen vom Wasser. „Ich schwebe!“, hat sie gerufen, und ihre Stimme ist durch die ganze Halle geechot. Opa Rainer hat leise mit den nassen Pfoten geklatscht. So hat man das bei ihm gern: Applaus, aber nicht zu laut.
Danach haben die Erwachsenen am Beckenrand erzählt. Opa Rainer hat von früher erzählt, als er in einem richtigen See schwimmen gelernt hat, mit kalten Füßen und einem warmen Mantel für danach. „Ein Schwimmbad“, hat er gesagt, „ist eine sehr große Pfütze mit sehr vielen Freunden.“ Ich fand, das traf es genau. Mama Michalina und er haben sich prächtig verstanden, zwei gemütliche Seelen am Wasser. Und Eva hat mir erklärt, warum alles bei ihr pink sein muss: „Pink sieht aus wie das Wasser, wenn die Abendsonne hineinscheint. Das ist die schönste Farbe, die es gibt.“ Ich fand, das war ein richtig schöner Grund.
Am Abend wurde es ruhig im Schwimmbad. Die Wasseroberflächen haben nur noch leicht geschaukelt, und die Decke hat unsere müden Stimmen doppelt zurückgeworfen. Wir sind aus dem Wasser gestiegen, in warme Handtücher gewickelt und haben uns verabschiedet. „Danke fürs Schwimmen“, hat Elisa gesagt, und Eva hat ihr zur Erinnerung eine ihrer Luftblasen nachgeschickt, die ganz langsam aufgestiegen ist und an der Oberfläche zerplatzt ist wie ein kleiner Kuss. Dann sind Eva und ihr Opa Rainer gegangen, Hand in Pfote, mit ihrem pinken Handtuch unterm Arm.
Zu Hause unter dem Apfelbaum ist Elisa gleich eingeschlafen, mitten in einem Satz über das Schweben. Ich habe noch ein wenig gelegen und habe das Gluckern im Ohr behalten, leise und warm. Wasser ist ein wundersames Ding: Es trägt dich, wenn du ruhig bist, und es macht dich nass, wenn du dich zu eilig bewegst. Beides ist ein guter Rat fürs Leben.
Schlaf gut, ihr Lieben. Und wenn du morgen eine Pfütze siehst, dann schau genau hinein. Vielleicht ist es ein Schwimmbad, das nur darauf wartet, von dir entdeckt zu werden. Gute Nacht von eurer Maria-Maus.