Hallo ihr Lieben! Hier ist Maria-Maus, eure kleine Maus mit den großen Ohren. Kuschelt euch schön ein, denn heute erzähle ich euch, wie wir ein Haus für einen ganz besonderen Freund gebaut haben.
Es war ein klarer Herbstmorgen, als Papa Alexander an unserem Bau vorbeikam und sagte: „So, Kinder. Heute wird gebaut.“ Und alle wussten sofort, wen er meinte. Pips, das kleine Dinosaurierkind, hatte die Nacht im Moosnest verbracht, und das Moos war morgens schon feucht und kalt geworden. Ein richtiger Dinosaurier braucht ein richtiges Zuhause, auch wenn er noch so klein ist.
Zuerst haben wir einen Platz gesucht. Elisa hüpfte voran und zeigte auf alles mögliche. „Dahinter! Nein, da! Nein, lieber dort!“ Aber Hendrik, der Abenteuermaus, wusste es besser. „Ein Haus braucht drei Dinge“, sagte er und hob drei Schnurrbarthaare, um es zu zeigen. „Wärme von der Sonne, Schutz vor dem Wind und Ruhe für das Schlafen.“ Und dann führte er uns alle zu einer Stelle zwischen der alten Gartenmauer und dem stockdicken Holunderstrauch. Die Sonne schien dort den ganzen Nachmittag auf den warmen Stein, der Wind wehte sanft darüber hinweg, und es war so still, dass man den Regenwurm im Beet leise arbeiten hörte.
„Perfekt“, sagte Elisa. Und alle nickten.
Nun ging die Arbeit richtig los. Mama Michalina übernahm den Bauplan. Sie zeichnete mit einem Ästchen in den weichen Boden ein rundes Haus, wie es Mäuse bauen, nur eben ein gutes Stück größer. „Für einen kleinen Dinosaurier reichen die Maße von vier Mäusen“, sagte sie. „Klein genug zum Warmbleiben, groß genug zum Träumen.“ Papa Alexander grub mit den Pfoten die Mulde aus, und ich habe die Erde fortgetragen, Häufchen für Häufchen, bis die ganze Familie zu einer kleinen Kette wurde. Von Pfote zu Pfote flog die Erde, und Elisa sammelte die letzten Krümel hinter uns auf, weil sie alles ordentlich haben wollte.
Das Dach war das Schwierigste. Hendrik schlug vor, große Blätter zu nehmen. Aber die Herbstblätter zerrissen zu schnell. Papa Alexander meinte, wir könnten Pappe vom alten Karton am Zaun holen. Aber Mama sagte, das riecht nicht gut und ist kein Naturhaus. Am Ende hatte Elisa die beste Idee, wie so oft, wenn niemand mehr weiterweiß. „Was ist mit den Falldosen der Menschen?“ Sie zeigte auf die alte Kiste, die hinter dem Geräteschuppen steht, in der Opa Bernd im Sommer seine Werkzeuge aufbewahrt hatte. Darin lag genau das Richtige: weiche, wellige Pappe, hübsch gewellt wie kleine Wellen, und groß genug für ein Dinosaurierdach.
Wir schleppten drei Stück heran, legten sie schräg übereinander und beschwerten sie mit kleinen Steinen, damit der Wind sie nicht hochhebt. Dann deckten wir alles mit Moos ab, sodass es aussah wie ein grüner Hügel. Pips stand daneben und guckte so stolz, als hätte er selbst jedes Moosstückchen gelegt. Von innen sah das Haus gemütlich aus. Hendrik brachte eine Schicht trockenes, weiches Gras für den Boden, und Elisa legte ihr Lieblingsblatt hinein, das gelbe mit den vielen Zacken, das sie den Sommer über aufgehoben hatte. „Das ist für dich“, sagte sie. „Ein Erinnerungsblatt. Wenn du drauf liegst, klingt es wie Sommer.“ Pips legte sich sofort hinein und rollte sich zusammen, und es passte einfach.
Am Abend saßen wir alle vor dem neuen Haus und bewunderten es. Dann kam Hendrik noch einmal und hatte etwas hinter dem Rücken. Er zog einen kleinen Stein hervor, rund und weiß, mit einem Loch in der Mitte. „Von meiner letzten Reise“, sagte er. „Aus einem Fluss, der nach Sternen roch.“ Er hing den Stein an einen Grashalm und befestigte ihn über dem Eingang. Es war das erste Glöckchen von Pips Haus. Wenn der Wind kommt, klingt es ganz leise, ding, ding, wie eine kleine Einladung.
Mama Michalina brachte zum Schluss noch eine Schale mit Kleeblättern und Löwenzahn an den Eingang. „Für den kleinen Hunger zwischendurch“, sagte sie. Und Papa Alexander legte die Pfote auf Pips Kopf und sagte: „So. Jetzt bist du angekommen.“ Pips hat gar nichts gesagt. Dinosaurier sprechen nicht viel, das habe ich gelernt. Aber es hat mit seiner langen Schnauze erst Elisa, dann mich, dann jedes einzelne Familienmitglied angeschubst, ganz sanft. Das ist bei Pips so viel wie ein großes, dickes Dankeschön.
Als es dunkel wurde, sind wir alle in unseren Bau zurückgekrabbelt. Draußen haben wir gehört, wie sich Pips in seinem neuen Haus eingerichtet hat, erst hin und her, dann ein leises Gähnen, und dann nichts mehr. Nur das Glöckchen hat ab und zu leise geklungen, wenn ein Windhauch vorbeifuhr. Papa Alexander hat gesagt: „Ein Haus ist fertig, wenn man darin schläft wie zu Hause.“ Ich glaube, das stimmt.
Und ich habe noch einen Wunsch für euch. Wenn ihr morgen früh aufwacht, dann denkt daran: Manchmal braucht ein Freund kein großes Schloss. Ein Dach aus Pappe, ein Mooshügel und ein Erinnerungsblatt reichen, wenn nur Liebe mit drin ist.
Schlaf gut, ihr Lieben. Träumt etwas Schönes, und kuschelt euch in euer eigenes Nest. Gute Nacht von eurer Maria-Maus.