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Folge 003 – Der erste Blätterregen

Hallo ihr Lieben! Hier ist Maria-Maus, eure kleine Maus mit den großen Ohren. Kuschelt euch schön ein, ich erzähle euch heute Nacht etwas vom Herbst.

Draußen hat sich der Garten verändert. Der Sommer war gestern noch grün, und heute früh am Morgen, als ich aus dem Bau gekrochen bin, hat der alte Apfelbaum mir ein Blatt auf den Kopf gesetzt. Ein richtiges, gelbes Blatt, ganz sanft, wie eine kleine Decke aus Papier. Ich habe geschnuppert, und der Wind hat nach Herbst gerochen. Nach feuchter Erde und reifen Äpfeln. Das war der Moment, in dem ich gewusst habe: Heute kommt der erste Blätterregen.

Elisa war sofort Feuer und Flamme. Sie ist ja noch so klein, dass sie den letzten Sommer kaum mitbekommen hat. Ein Blätterregen, das kannte sie bisher nur aus meinen Erzählungen. „Was ist das genau", hat sie gefragt, und ihre kleinen Äuglein haben geleuchtet. „Regnet da wirklich Blätter?" Ich habe gesagt: „Warte einfach ab. Heute Abend siehst du es."

Mama Michalina hat derweil Vorräte sortiert. Nüsse, Körner, getrocknete Apfelstücke, alles fein säuberlich in unseren Kammern. Sie hat uns einegschlichen! Eine Schale mit geriebenem Apfel hingestellt und gesagt: „Esst vorher ordentlich, Blätterregen macht hungrig." Das glaube ich gern, dachte ich, aber eigentlich wollte ich ihr gar nicht so recht widersprechen, denn der Apfel hat wunderbar geschmeckt.

Am Nachmittag sind wir dann hinaus. Papa Alexander hat uns einen sicheren Weg zum Fuß des Apfelbaums gezeigt, zwischen den Grashalmen hindurch. Der Wind ist schon kräftiger geworden, und der Baum hat gesprochen. Hast du das schon einmal gehört? Ein Baum im Herbstwind rauscht, als würde er leise von allen Geschichten erzählen, die er im Sommer erlebt hat. Elisa hat sich dicht an mich geschmiegt und zugehört.

Und dann ist es passiert. Der Wind hat einen großen Atemzug genommen, und der Baum hat gewunken. Erst nur ein Blatt, dann drei, dann zwanzig. Sie sind nicht einfach gefallen, sie sind getanzt. Eine gelbe Drehung nach links, eine orange Pirouette nach rechts, und immer wieder ein kleines Schaukeln, als würde jedes Blatt sich Zeit lassen wollen. Elisa hat die Pfoten ausgestreckt und ein Blatt hat sich genau darauf gesetzt, als hätte es gewusst, dass hier jemand wartet.

„Es regnet Blätter", hat Elisa geflüstert. „Maria, es regnet wirklich Blätter!" Ich habe gelacht und ihr über das Ohrrauben gestrichen. Wir sind durch das Blättergestöber gelaufen, so weit, wie Eltern es erlaubt haben. Die Blätter haben auf unser Fell geklopft, uns auf den Kopf gesetzt, und einer ist sogar in Papas Schnurrbart hängen geblieben. Der hat ihn gar nicht bemerkt, und Mama hat so gelacht, dass sie sich am Grashalm festhalten musste.

Nach einer Weile sind wir müde geworden, der gute müde, den man nach einem Tag im Freien bekommt. Auf dem Rückweg haben wir eine Decke aus Blättern entdeckt. Der Wind hat die schönsten Blätter an eine geschützte Stelle hinter dem Topf getragen, und dort liegt sie jetzt, weich und warm. Papa Alexander hat gesagt: „Das ist ein Geschenk des Baumes. Er schenkt uns seinen ersten Ort zum Kuscheln." Und wir haben uns einander angeschmiegt, alle vier, und haben wir einfach nur gelegen.

Dann ist Papa Alexander eingefallen, dass er ja noch etwas vorhatte. Er hat uns gefragt, ob wir mithelfen wollen, und natürlich wollten wir. Also haben wir gesammelt. Nicht alle Blätter, der Baum braucht auch welche, aber ein paar besonders schöne. Die haben wir in den Bau getragen und an die Wände gelegt, da, wo im Winter der kalte Zug durchkommt. Ein Blätter-Fell für unser Zuhause. Elisa hat für jedes Blatt einen kleinen Segenswunsch geleiert: „Warm sein. Trocken sein. Gemütlich sein." So klein sie ist, so versteht sie doch schon, was ein Zuhause braucht.

Am Abend hat der Regen angefangen. Echten Regen diesmal, leise und geduldig. Wir haben in unserem warmen Bau gelegen, zwischen unseren neuen Blättern an der Wand, und das Rauschen gehört. Oben hat der Baum noch einmal gewunken, unten haben wir es gehört und uns sicher gefühlt. Ich habe an den Winter gedacht, der bald kommt, und ich habe keine Angst gehabt. Denn wir haben Vorräte, wir haben eine Blätterdecke, und vor allen Dingen haben wir uns.

Elisa ist heute als Erstes eingeschlafen, mitten in einem Satz über den Blatt in Papas Schnurrbart. Mama und Papa haben sich einander zugewandt, und ich habe noch ein wenig in den Bau gehorcht, auf den Regen und das Rascheln und das ruhige Atmen meiner Liebsten. Es war einer jener Tage, die eigentlich gar nichts Besonderes passiert sind. Und trotzdem zu den besten gehören.

Schlaf gut, ihr Lieben. Und wenn morgen das erste Blatt vor dein Fenster fällt, dann wink ihm zurück. Der Baum weiß genau, dass du es gesehen hast. Gute Nacht von eurer Maria-Maus.

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