Hallo ihr Lieben! Hier ist Maria-Maus, eure kleine Maus mit den großen Ohren. Kuschelt euch schön ein, ich erzähle euch heute etwas von einem ganz besonderen Tag.
Heute ist ein Feiertag in unserem Familiengarten. Zehn Jahre sind meine Eltern schon zusammen. Zehn Jahre Mama Michalina und Papa Alexander! Und weil so ein Tag gefeiert werden will, haben meine kleine Schwester Elisa und ich uns etwas Schönes ausgedacht. Aber davon später. Zuerst erzähle ich euch, wie alles angefangen hat.
Es war nämlich auf einer Geburtstagparty. Nicht auf unserer, sondern auf der von Tante Berta, einer alten Maus mit weichen grauen Ohren, die hinter dem Komposthaufen wohnt. Tante Berta wurde damals siebzig, und alle Mäuse aus dem Garten kamen. Auch Papa Alexander, der damals noch ein junger Mausherr mit stolzem Schnurrbart war. Und auch Mama Michalina, die gerade erst neu in den Garten gezogen war und noch niemanden kannte.
Mama Michalina saß ein wenig schüchtern in einer Ecke, zwischen einer Holzkiste und einem alten Blumentopf. Sie wusste nicht, mit wem sie reden sollte. Da sah sie auf dem Tisch einen Teller mit Apfelkuchen. Nur noch ein einziges Stück lag darauf, das allerletzte, mit der schönen Kruste und viel Zimt. Und genau in dem Moment kam Papa Alexander mit einem Teller zwischen den Pfoten vorbeigestolpert.
„Dieses Stück gehört dir", sagte er und schob es vorsichtig zu Mama Michalina. „Ich habe genau zugesehen. Du hast den ganzen Abend an niemanden gedacht, nur an den Kuchen." Das stimmte zwar nicht ganz, aber Mama Michalina musste so lachen, dass ihre Ohren wackelten. Und Papa Alexander lachte mit, so herzlich, dass Tante Berta aus der Küche rief, was denn hier los sei.
Später spielte Tante Berta leise Musik aus ihrem alten Radio. Alle Mäuse tanzten oben auf der Fensterbank, ganz langsam, weil es schon so spät war. Und meine beiden Eltern tanzten unten unter dem Tisch, wo niemand sie sah, ihre allererste Mäusetanzrunde. Seit diesem Abend sind sie unzertrennlich. Zehn Jahre schon.
So, und heute wollten Elisa und ich die Überraschung schaffen. Am Morgen hatte ich Elisas Wiege direkt neben meinen Arbeitsplatz gestellt. Wir bastelten eine Girlande aus kleinen Papiersternen, weil Sterne bei uns im Garten Glück bringen. Elisa drückte jeden Stern ganz fest an den Grashalm und kicherte jedes Mal. Und ich knetete aus Nüssen und Apfelbrei einen Kuchen. Einen Apfelkuchen natürlich. Mit Kruste und ganz viel Zimt.
Papa Alexander schickten wir solange in den Garten, damit er nichts mitbekam. Er sollte die reifsten Äpfel für uns pflücken. Das tat er gern, denn er erzählt dann immer stolz, welche Äpfel die schönsten sind. Und solange er draußen war, dekorierten wir den Bau: die Girlande über dem Schlafwinkel, den Tisch mitten ins Zimmer, und auf den Tisch stellten wir den Kuchen. Genau in die Mitte.
Als es dunkel wurde, riefen wir: „Papa! Mama! Kommt mal schnell her!" Papa Alexander kam zuerst und blieb gleich in der Tür stehen. Da hatte er etwas in den Augen, das aussah wie Glitzern. Dann kam Mama Michalina mit Elisa auf dem Arm, und beide machten große Augen. Überall leuchteten die kleinen Papiersterne, und auf dem Tisch stand der Kuchen mit zehn kleinen Lichtern aus Bienenwachs.
„Zehn Jahre", sagte Mama Michalina leise. „Weißt du noch, Alexander? Die Geburtstagparty von Tante Berta?" Papa Alexander nickte langsam. „Natürlich weiß ich das", sagte er. „Ich habe an dem Abend den besten Entschluss meines Lebens gefasst. Ich habe den letzten Kuchen geteilt."
Da musste Mama Michalina wieder lachen, mit den wackelnden Ohren. Elisa kicherte mit, und ich kicherte mit. Dann schnitten wir den Kuchen, und ihr glaubt nicht, was Mama tat: Sie gab das erste Stück Papa Alexander. „Dieses Stück gehört dir", sagte sie. „Schließlich hast du damals angefangen."
Am Ende saßen wir alle vier zusammen im Schlafwinkel, unter unseren Papiersternen. Draußen leuchtete der Himmel über dem Apfelbaum, und Elisa schlief schon nach dem zweiten Stück Kuchen ein. Mama und Papa saßen still beieinander, und ich habe mir gedacht: So sollen Nächte sein. Ruhig, warm und zusammen.
Schlaf gut, ihr Lieben. Und wenn morgen jemand ein Stück Kuchen mit dir teilt, dann denk daran: Kleine Gesten können der Anfang von etwas ganz Großem sein. Gute Nacht von eurer Maria-Maus.